Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege

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Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e. V.
VRS
Bild:VRS-Logo.gif
Sitz Schwaig bei Nürnberg
Land Bayern, Deutschland
Gründungsjahr 1997
Vorsitzender Ulrich Brosinsky
Jahresbeitrag k. A.
Anschrift Max-Reger-Str. 99, 90571 Schwaig bei Nürnberg
Telefon +49-(0)911-500825
Telefax +49-(0)911-5067423
E-Post pressesprecher@vrs-ev.de, vorsitzender@vrs-ev.de
Netzverweis www.vrs-ev.de


Der Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (VRS) war der erste Verein, der sich im Kampf gegen die Rechtschreibreform von 1996 bildete. Vorsitzender des VRS von 1997 bis 2001 und jetzt stellvertretender Vorsitzender ist Manfred Riebe, Oberstudienrat und Diplom-Kaufmann.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Ziele

Das vorrangige Ziel des Vereins ist es, die Rechtschreibreform abzuschaffen. Dazu verfolgt er vier Argumentationslinien: Zum einen betrachtet er die Reform als sprachwissenschaftlich mißlungen, zum anderen verletze die Reform die wichtigsten pädagogischen Prinzipien der Eindeutigkeit und Einheitlichkeit. Außerdem protestiert der VRS gegen rein wirtschaftliche Interessen als Triebfeder der Rechtschreibreform. Darüber hinaus betrachtet der VRS die Einführung der Reform als eine antidemokratische Entmündigung der Bürger. So setzt er sich laut Satzung auch dafür ein, „daß bei der Reflektierung von Sprachentwicklungen die erforderlichen linguistischen, demokratischen, rechtlichen und pädagogischen Grundsätze beachtet werden“. Der Verein befürwortet, „daß eine neue, aber unabhängige Kommission auf der Basis des bewährten Duden behutsam Spitzfindigkeiten der bisherigen Rechtschreibung beseitigt und ein einheitliches Wörterbuch erstellt“.

Das Sprachpflegeverständnis beschränkt sich nicht auf die Rechtschreibfrage, sondern umfaßt auch „den sachgerechten Umgang mit Fremdwörtern“. Der VRS wehrt sich gegen „eine Überfremdung der deutschen Sprache in Gestalt einer Vermischung mit anderen Sprachen, insbesondere gegen das Überhandnehmen von Anglizismen“.

[bearbeiten] Tätigkeiten

Als Kaufmann betrachtete Manfred Riebe die neue „Primitiv- und Beliebigkeitsschreibung“, wie er sie nennt, nicht nur aus sprachlicher, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht.[1] Beim Lesen von Schriftstücken in neuer Rechtschreibung fiel ihm auf, daß der Großteil der Rechtschreibänderungen auf der Umwandlung des „ß“ in „ss“ beruht. Riebe: „Die Rechtschreibreform besteht zu 90 Prozent aus der neuen ss-Schreibung. Sie ist überflüssig wie ein Kropf, aber sie hilft den Verlagen und Medienkonzernen, Geschäfte zu machen. Die Rechtschreibreform hätte ohne die ss-Regelung keine Überlebenschance. Die Umwandlung von „ß“ in „ss“ ist daher - wirtschaftlich betrachtet - das Herzstück der Rechtschreibreform. Jedoch steigen gerade durch die neue ß/ss-Regelung die Fehlerzahlen stark an. Die ss-Schreibung dient lediglich als Füllmaterial, um überhaupt eine Reform nötig erscheinen zu lassen. Sie ist der Silikonbusen der Rechtschreibreform. Sie täuscht Modernität, Qualität und Volumen vor, wo nichts vorhanden ist.“

Seit Oktober 1996 arbeitete Manfred Riebe mit Studiendirektor Friedrich Denk aus Weilheim (Oberbayern) zusammen, dem Initiator der „Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform“. Im Februar 1997 gründete Riebe zusammen mit anderen Lehrern aus verschiedenen Bundesländern die bundesweite Initiative „Wir Lehrer gegen die Rechtschreibreform und für eine einheitliche, systematische Rechtschreibung“, aus der bisher zehn Lehrerinitiativen in mehreren Bundesländern hervorgegangen sind. Zusammen mit anderen Initiativen gründete er im Mai 1997 in Schwaig bei Nürnberg den „Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege“.

Der VRS und die bundesweite Lehrerinitiative wurden auf Betreiben des VRS-Vorsitzenden zu den Anhörungen der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung am 23. Januar 1998 in Mannheim und des Bundesverfassungsgerichts am 12. Mai 1998 in Karlsruhe zusammen mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung als einzige Rechtschreibreformgegner eingeladen. In Mannheim vertraten der damalige Feuilletonchef der Bayerischen Staatszeitung Hans Krieger den VRS und der Erlanger Germanist Theodor Ickler die Initiative „Wir Lehrer gegen die Rechtschreibreform“, und zur Anhörung vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entsandte der VRS Professor Theodor Ickler, der dort beide Initiativen vertrat.

Im März 1998 trat Manfred Riebe zusammen mit Friedrich Denk aus Protest gegen die Haltung der CSU in der Frage der Rechtschreibreform aus der CSU aus. Desgleichen verließ er die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), weil die GEW mit den Schulbuchverlagen und dem Bertelsmann-Konzern ein Bündnis für die Rechtschreibreform geschlossen und obendrein eine Schulbuchverlegerin, Hertha Beuschel-Menze, AOL-Schulbuchverlag, als Vertreterin der GEW zur Anhörung der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung im Januar 1998 nach Mannheim entsandt habe.

Der VRS führt in Zusammenarbeit mit anderen Sprachvereinen Aktionen gegen die Rechtschreibreform durch. So unterstützte der VRS nicht nur etliche Volksinitiativen, Volksbegehren und den Volksentscheid gegen die Rechtschreibreform in Schleswig-Holstein, sondern unterstützte auch die Gründung der Sprachzeitung Deutsche Sprachwelt.

[bearbeiten] Veröffentlichungen des VRS

  • Manfred Riebe, Norbert Schäbler, Tobias Loew (Hrsg.): Der „stille“ Protest. Widerstand gegen die Rechtschreibreform im Schatten der Öffentlichkeit, Leibniz-Verlag, St. Goar 1997, ISBN 3-931155-10-2.
    • Buchbesprechung von Christian Stang. In: Die deutsche Schrift, Themenheft Rechtschreibreform Nr. 4, 1997, Seite 100.
    • Buchbesprechung von Michael Brackmann: Das aktuelle politische Buch. Protest gegen die „Rechtschreib-Diktatur“. Dokumente von 50 Initiativen - Geht es um Verlegerprofite? In: General-Anzeiger, 5. Februar 1998, Seite 4.
  • Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V.: Unser Kampf gegen die Rechtschreibreform, Volksentscheid in Schleswig-Holstein, Bearbeitung und Kommentar: Manfred Riebe, Nürnberg 1998.
    • Rezension: Waffen gegen die Rechtschreibreform. In: Wiener Sprachblätter, 1/1999, Seite 21-22.

[bearbeiten] Literatur über den Verein

  • Michaela Moritz: Mehrere Initiativen gründeten Verein zur Verhinderung der neuen Rechtschreibung. Schwaig Hochburg der Reformgegner. Vorsitzender ist Berufsschullehrer Manfred Riebe. Gründungsversammlung im ev. Gemeindesaal. In: Nürnberger Zeitung, 14./15. Juni 1997.
  • Gabi Seitz: Lehrer machen mittlerweile bundesweit gegen die Rechtschreibreform mobil. „Wir sind für sanfte Verbesserungen“. In: Nürnberger Zeitung, 26. Juni 1997, Seite 3.
  • Gegner schließen sich zusammen. In: Das Gymnasium in Bayern, Nr. 7, Juli 1997, Seite 10 f.
  • Michaela Moritz: „Ein nicht zu verantwortender Luxus“. In Schwaig formieren sich überzeugte Gegner der Rechtschreibreform. In: Nürnberger Anzeiger, Ausgabe Südost 7, August 1997, Seite 4.
  • Mit Literatur und Sarkasmus gegen die ungeliebte Reform. Bekannte deutsche Autoren lasen in Weilheim „Für die Einheit der Orthographie“. In: Weilheimer Tagblatt, 13. Oktober 1997.
  • Dieter Wegener: Heftiges Rütteln an der Rechtschreibreform. Unterschriften für ein Volksbegehren gesammelt. In: Nürnberger Zeitung, 8. Februar 1999.
  • Manfred Riebe: Gespräch der Wiener Sprachblätter mit Manfred Riebe über den Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V. In: Wiener Sprachblätter, Heft 1, März 1999, Seite 18-21.
  • (Re)Formfehler - Die unendliche Geschichte der Vereinfachung der deutschen Rechtschreibung. Fernsehaufzeichnung des Interviews von Jens Hänisch mit Manfred Riebe als Vertreter des Vereins für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V. (VRS). Mitteldeutscher Rundfunk - MDR-Fernsehen, „MDR aktuell“, 5. Februar 2004, 21.45 Uhr

[bearbeiten] Querverweis

[bearbeiten] Netzverweise

[bearbeiten] Nachweis

  1. Manfred Riebe: Die Rechtschreibreform – Fakten und Hintergründe. In: ders. / Norbert Schäbler / Tobias Loew (Hrsg.): Der „stille“ Protest. Widerstand gegen die Rechtschreibreform im Schatten der Öffentlichkeit, Leibniz-Verlag, St. Goar 1997, ISBN 3-931155-10-2, Seite 259.
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