Sprachlicher Verbraucherschutz

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Mehrere Bundestagsabgeordnete der CDU/CSU gründeten im März 2007 die Initiative Sprachlicher Verbraucherschutz. Der Initiative gehören die Abgeordneten Gitta Connemann (Vorsitzende der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ und Kuratoriumsvorsitzende der Initiative Deutsche Sprache), Peter Bleser (Agrar- und verbraucherschutzpolitischer Sprecher), Julia Klöckner (Verbraucherschutzbeauftragte), Laurenz Meyer (wirtschaftspolitischer Sprecher) und Erika Steinbach (Menschenrechtspolitische Sprecherin) an.

Bild:ISV_2008_06_23.jpg
Urkundenübergabe für die Auszeichnung zum „Sprachwahrer des Jahres“.
Von links nach rechts: Thomas Paulwitz (Deutsche Sprachwelt), Gitta Connemann (MdB), Julia Klöckner (MdB), Erika Steinbach (MdB), Peter Bleser (MdB), Hermann Neemann (Aktion Deutsche Sprache).
Foto: Armin Linnartz

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Beweggründe

Zu den Beweggründen hieß es in einer Einladung zur Vorstellung der Initiative zum sprachlichen Verbraucherschutz am 20. März 2007:

„Leitbild unserer Verbraucherpolitik ist der informierte, selbständige Bürger. Verständliche Sprache in Wort und Schrift ist die Voraussetzung für eigenverantwortliches Entscheiden. In zunehmendem Maße prägen internationale Einflüsse unsere Sprache. So nehmen fremdsprachliche Ausdrücke und Begriffe im Unterricht, in der Arbeitswelt, in der Wissenschaft und in der Öffentlichkeit stetig zu. Vor dem Hintergrund, daß etwa die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland keine Fremdsprachen versteht, ist jedoch z. B. ausschließlich die Verwendung von Englisch oder Anglizismen im Alltagsgeschehen für viele problematisch. Nachvollziehbare und verständliche Informationen, Transparenz, Chancengleichheit sowie Schutz vor Diskriminierung sind vielfach nicht mehr gegeben.

Eine moderne Verbraucherpolitik und ein effektiver Verbraucherschutz müssen sich deshalb für eine verständliche Sprache einsetzen, die Ausgrenzungen unserer Bürgerinnen und Bürger verhindert. Wir benötigen deshalb einen erweiterten Verbraucherschutz, der sich auf das Verständnis von Sprache bezieht.“[1][2][3]

[bearbeiten] Ziele

Die Initiative hat sich drei Ziele gesetzt:

  1. Die Bundesregierung soll sich verpflichten, eigene Veröffentlichungen in verständlicher deutscher Sprache abzufassen und damit eine Vorbildfunktion einnehmen.
  2. Die Bundesregierung soll auf Unternehmen Einfluß nehmen, die sich zum Teil in Bundesbesitz befinden – zum Beispiel auf die Deutsche Bahn, die Deutsche Telekom oder die Deutsche Post.
  3. Die Initiative ruft die Wirtschaft in Gesprächen dazu auf, Gebrauchsanweisungen auch in deutscher Sprache anzubieten.

[bearbeiten] Aktivitäten

[bearbeiten] Antrag im Bundestag

Derzeit kursiert innerhalb der beiden Bundestagsfraktionen der Großen Koalition (CDU/CSU und SPD) ein Entwurf für einen Antrag im Bundestag, wonach in öffentlichen Gebäuden, auf Flughäfen und Bahnhöfen künftig „durchgehend, nicht notwendigerweise ausschließlich“ die deutsche Sprache verwendet werden soll. Angestrebt werden freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft, das Englische zurückzudrängen. Die SPD blockiert diesen Antrag derzeit jedoch.

[bearbeiten] Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“

Die Bundestags-Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ unterstützt die Initiative Sprachlicher Verbraucherschutz und hat bis Ende 2007 rechtlich unverbindliche Handlungsempfehlungen zum Sprachgebrauch vorgestellt.[4]

[bearbeiten] Deutsche Bahn

Die Initiative erreichte bei einem Treffen mit Vertretern der Deutschen Bahn im Juni 2007 die Zusage, daß die Bahn bis September 2007 die Erarbeitung verständlicherer Informations- und Hinweismöglichkeiten prüft.[5] „Die Deutsche Bahn AG verwirrt ihre Kunden mit vielen Anglizismen. Damit werden Menschen ohne Englischkenntnisse ausgegrenzt“, hatte Connemann kritisiert.[6]

Ungeachtet der angekündigten Bemühungen um verständlichere Sprache wählte der Verein Deutsche Sprache im Spätsommer 2007 den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, zum Sprachpanscher des Jahres.

[bearbeiten] Reaktionen

[bearbeiten] Sprachschützer

Bild:ADS_Neemann_Kloeckner_niedrig.JPG
Der Vorsitzende der ADS, Dr. Hermann Neemann, überreicht Julia Klöckner die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft.

Die Aktion Deutsche Sprache zeichnete Julia Klöckner mit einer Ehrenmitgliedschaft aus. Die Deutsche Sprachwelt nominierte die Initiative bei der Wahl zum Sprachwahrer des Jahres 2007.[7] Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion sah sich dadurch „bestärkt, weiterhin für eine verständliche deutsche Sprache im Sinne aller Verbraucherinnen und Verbraucher einzutreten. ... Leider blockiert die SPD-Bundestagsfraktion bisher eine gemeinsame Koalitionsinitiative und ignoriert dadurch die Bedürfnisse vieler Verbraucherinnen und Verbraucher.“[8] Bei der Sprachwahrer-Wahl, die die Porsche AG gewann, erreichte die Initiative den dritten Platz und ließ daraufhin verlauten: „Wir fühlen uns durch unsere Nominierung und Platzierung bestätigt und bestärkt, für eine verständliche deutsche Sprache im Sinne aller Verbraucher einzutreten. Der Gewinner und auch sonst erfolgreiche Weltkonzern Porsche nimmt mit dem bewußten Einsatz von Deutsch als Unternehmenssprache Vorbildfunktion für andere Konzerne ein.“[9]

[bearbeiten] Verbraucherschützer

Der Verbraucherzentrale-Bundesverband (vzbv) wies darauf hin, daß die gegenwärtige Rechtslage es bereits gebiete, Gebrauchsanleitungen oder Verpackungshinweise bei Lebensmitteln auf deutsch zu verfassen. „Im Verbraucherschutz ist häufig nicht die Rechtslage das Problem, sondern die Rechtsdurchsetzung“, sagte Verbandssprecher Carel Mohn. „Das Problem ist vielmehr, daß bei teilweise haarsträubend unverständlichen Gebrauchsanleitungen in der Praxis höchst selten jemand aktiv wird.“ Die Marktaufsichtsbehörden seien aufgrund fehlender Kapazitäten und mangelnder bundesweiter Koordination bereits heute kaum in der Lage, die Produktsicherheit sicherzustellen.[10]

[bearbeiten] PDS/Linke

Die sächsische Landtagsfraktion der PDS/Linke sagte der Initiative ihre Unterstützung zu. Der Vorsitzende der Linksfraktion/PDS im Sächsischen Landtag, Peter Porsch, erklärte: „Nun ist allerdings auch die Bundesregierung gefordert. Sie sollte Richtlinien für einen verständlichen Gebrauch der deutschen Sprache bei Behörden und in der Öffentlichkeit erarbeiten.“[11]

[bearbeiten] Nachweis

  1. CDU/CSU-Bundestagsfraktion: Einladung zum Pressegespräch, Pressemitteilung, 14. März 2007
  2. CDU/CSU-Bundestagsfraktion: Verbraucher erwarten deutschsprachige Erklärungen, Pressemitteilung, 20. März 2007
  3. CDU/CSU-Bundestagsfraktion: Sprachschutz ist Verbraucherschutz, Pressekonferenz, 20. März 2007
  4. Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“
  5. CDU/CSU-Bundestagsfraktion: Deutsche Bahn will sprachlichen Verbraucherschutz anpacken, Pressemitteilung, 14. Mai 2007
  6. Gitta Connemann: Deutsche Bahn will Unternehmenssprache auf den Prüfstand stellen, Pressemitteilung, 1. Juni 2007
  7. Deutsche Sprachwelt: Porsche AG zum „Sprachwahrer des Jahres“ vorgeschlagen, Pressemitteilung, 21. Dezember 2007
  8. CDU/CSU-Bundestagsfraktion: „Sprachlicher Verbraucherschutz“ nominiert zur Wahl „Sprachwahrer des Jahres“, Pressemitteilung, 2. Januar 2008
  9. CDU/CSU-Bundestagsfraktion: „Sprachlicher Verbraucherschutz“ ermutigt durch gute Plazierung bei Sprachwahrerpreis, Pressemitteilung, 18. März 2008
  10. Verbraucherzentrale-Bundesverband (vzbv):„Sprachlicher Verbraucherschutz“. Rechtslage ist eindeutig: Gebrauchsanleitungen müssen in deutsch verfasst sein, Pressemitteilung, 22. März 2007
  11. Denglisch ist kein Deutsch-Ersatz, Pressemitteilung, 21. März 2007

[bearbeiten] Netzverweis

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