Häuser für die deutsche Sprache

Aus Sprachpflege.info

(Weitergeleitet von Haus der deutschen Sprache)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Häuser für die deutsche Sprache sollen Anlaufstellen für Sprachpflege bieten. Vor einigen Jahren kam der Wunsch nach einem „Haus der deutschen Sprache“ auf. Er soll ursprünglich von dem angesehenen Sprachwissenschaftler Harald Weinrich stammen.[1] 1999 schrieb Wolfgang Bader, Leiter der Abteilung Spracharbeit Ausland in der Zentralverwaltung des Goethe-Instituts in München: „In unserer sehr reichen Museums- und Ausstellungslandschaft wird man auch eine große Ausstellung zur deutschen Sprache oder gar ein öffentlichkeitswirksames Haus der deutschen Sprache vergeblich suchen.“[2]

Verschiedene Sprachverbände haben sich diesen Traum zu eigen gemacht. Gegenwärtig gibt es jedoch lediglich in Köthen/Anhalt ein solches Haus. Drei Organisationen arbeiten an einem Haus der deutschen Sprache: die Neue Fruchtbringende Gesellschaft (in Köthen), die Stiftung Deutsche Sprache (in Berlin) und das Goethe-Institut (möglicherweise in München).

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Häuser in Deutschland

[bearbeiten] Fürst-Ludwig-Haus der deutschen Sprache zu Köthen/Anhalt

Bild:Haus_der_deutschen_Sprache.jpg
Das Haus in Köthen/Anhalt wurde am 13. September 2008 (Tag der deutschen Sprache) eröffnet und erhielt zunächst eine Geschäftsstelle, eine Bücherei und ein Archiv. Die Stadt, die „Neue Fruchtbringende Gesellschaft“ (NFG) und die „Theo-Münch-Stiftung für die deutsche Sprache“ (TMS) sind die Träger des Hauses. Von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es nicht einmal zwei Jahre. Thomas Paulwitz entwickelte einen Plan für das Haus, den er 2007 auf dem Ersten Köthener Sprachtag vorstellte. Am 19. Januar 2008 unterrichtete der Köthener Oberbürgermeister Kurt-Jürgen Zander auf der Jahresfeier der NFG die Öffentlichkeit darüber, daß im Köthener Prinzessinhaus der Anfang des Hauses der deutschen Sprache gemacht wird. Auf dem Zweiten Köthener Sprachtag am 20. und 21. Juni gab dann Uta Seewald-Heeg, die Vorsitzende der NFG, den neuen offiziellen Namen der Einrichtung bekannt: „Fürst-Ludwig-Haus“, benannt nach dem Gründer der Fruchtbringenden Gesellschaft. Der besondere Reiz des Ortes besteht darin, daß der Besucher aus dem Fenster auf das Denkmal Fürst Ludwigs blicken kann, des Gründers der Fruchtbringenden Gesellschaft. Es ist geplant, das Haus Schritt für Schritt zu erweitern.

[bearbeiten] HDS Haus der deutschen Sprache zu Berlin

Die Stiftung Deutsche Sprache hat sich im Jahr 2008 beim Deutschen Patent- und Markenamt die Bezeichnung „HDS Haus der deutschen Sprache“ als Wort- und Bildmarke eintragen lassen. Sie hat einen umfangreichen Netzauftritt erarbeitet. Planungsbeauftragter ist der ehemalige deutsche Botschafter in Finnland und ehemalige deutsche Generalkonsul in Königsberg, Cornelius Sommer.

Aus der Selbstbeschreibung: „Bis das Stiftungsvermögen den Bezug eines eigenen Gebäudes mit Besucher-, Ausstellungs- und Bibliotheksräumen, mit multimedialer Technik und eigenem Personal erlaubt, nimmt das HDS seine Aufgaben als "virtuelles” Haus im Netz wahr. Durch einen Telephon-, Telefax- und e-Postdienst steht es der Öffentlichkeit zur Beratung in praktischen Fragen des sprachlichen Alltags zur Verfügung. Es geht auch Hinweisen auf besonders ärgerliche Fälle falschen, liederlichen, miss- oder unverständlichen Sprachgebrauchs im Verwaltungshandeln nach, in der Produktauszeichnung, im Verkehr, beim Verbraucherschutz, in den Medien und bei der Werbung und bemüht sich um Abhilfe.

Später sollen in den Räumen des HDS für die Einwohner und Besucher Berlins, für Schulklassen, Vereine und dergleichen Ausstellungen zur Geschichte, zur internationalen Verbreitung, zu den Dialekten der deutschen Sprache veranstaltet werden. Auch die Entwicklung und der jeweils neueste Stand sprachrelevanter Technik sind als Gegenstand von Sonder- oder Dauerausstellungen vorstellbar.

Schon jetzt entwickelt sich das HDS zu einem lebendigen Zentrum der Beschäftigung mit unserer Sprache und der aktiven Freude an ihr. Es ist kein Kristallisationspunkt für Deutschtümelei oder kulturelle Abschottung, im Gegenteil: Der Vorstand der "Stiftung“ und ihres "Hauses“ ist davon überzeugt, dass sich die Freude an der eigenen Sprache und der pflegliche Umgang mit ihr sehr wohl mit dem Respekt vor anderen Sprachen vertragen.“[3]

[bearbeiten] Goethe-Institut München

Das Goethe-Institut steht auf dem Standpunkt, ein Haus der deutschen Sprache müsse frei von Purismus sein. Die damalige Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach, plädierte für die Gründung eines Hauses der deutschen Sprache als Ort, an dem sprachpolitische Aktivitäten gebündelt und Begeisterung für Deutsch vermittelt werden können. Sie erklärte am Europäischen Tag der Sprachen 2006: „Wir brauchen einen solchen Ort, der unverstaubt für die deutsche Sprache wirbt, frei von Sprachpurismus, aber mit großem Selbstbewußtsein und Enthusiasmus für die Schönheit und die Wichtigkeit der deutschen Sprache“.[4] Im Schlußwort zur Festveranstaltung „Die Macht der Sprache” im Juni 2007 verkündete Limbach, daß das Fest „ein Vorspiel auf dem Weg zu einem Haus der deutschen Sprache” sei.[5] Geschehen ist jedoch seither nichts.

[bearbeiten] „Orthografikum“ in Schleiz

Anfang 2009 hat der Geschichts- und Heimatverein in Schleiz eine Arbeitsgruppe gegründet, die dazu dienen soll, in Schleiz ein „Orthografikum“ aufzubauen – ein „Haus zur Pflege der deutschen Sprache“, wie es in einem Artikel der Ostthüringer Zeitung vom Mai dieses Jahres heißt.[6] Darin soll unter anderem ein großer Teil der Ausstellung „Die Sprache Deutsch“ untergebracht werden. Diese Ausstellung war 2009 im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen.

[bearbeiten] Daniel-Sanders-Haus - Haus für deutsche Sprache zu Mecklenburg-Strelitz

Ein „Daniel-Sanders-Haus - Haus für deutsche Sprache zu Mecklenburg-Strelitz“ hat der „Müritzer Literatur- und Märchenkreis“ unter dem Vorsitzenden Hartwig Richter eingerichtet.[7]

[bearbeiten] Häuser im Ausland

Als „Haus der deutschen Sprache“ bezeichnen sich im fremdsprachigen Ausland auch Einrichtungen, welche die deutsche Sprache lehren. Dazu gehört zum Beispiel das Haus der deutschen Sprache an der Sprachschule der „Benemérita Universidad Autónoma de Puebla in Mexiko.[8]

[bearbeiten] Literatur und Berichte

[bearbeiten] Nachweise

  1. Vergleiche Alexander Cammann: Am Anfang war das Wort, in: Die Welt, 18. Juni 2007.
  2. Wolfgang Bader, Deutsche Sprache im Inland - deutsche Sprache im Ausland: Beziehungsprobleme aus der Sicht des Goethe-Instituts, in: Christian Meier (Hrg.): Sprache in Not? Zur Lage des heutigen Deutsch, Seite 45.
  3. Die Stiftung Deutsche Sprache und ihr HDS
  4. „Sprache ist politisch.“ - Goethe-Institut startet Projekt „Die Macht der Sprache“, Pressemitteilung, 25. September 2006.
  5. Carmen E. Puchianu: „Vorspiel auf dem Weg zu einem Haus der deutschen Sprache“ - Impressionen während des Sprachfestivals in Berlin, Juni 2007
  6. Intensives Werben für ein Orthografikum in Schleiz. In: Ostthüringer Zeitung, 11. Mai 2009.
  7. www.lese-ferienwohnung.de
  8. Haus der deutschen Sprache, Centro de Auto-Acceso y Tecnología de la Escuela de Lenguas de la Benemérita Universidad Autónoma de Puebla

[bearbeiten] Netzverweise

Persönliche Werkzeuge