Fruchtbringende Gesellschaft

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Die Fruchtbringende Gesellschaft (auch: Palmenorden) ist die erste und bis heute bedeutendste Sprachgesellschaft in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Geschichte

Sie wurde am 24. August 1617 in Weimar gegründet und von Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen nach dem Vorbild der italienischen Accademia della Crusca, als deren erstes deutsches Mitglied Ludwig I. von Anhalt-Köthen schon Jahre zuvor aufgenommen worden war, als Oberhaupt geleitet. Die Fruchtbringende Gesellschaft verfolgte unter anderem das Ziel, Deutsch sowohl als Sprache von Gelehrten als auch von Dichtern zu propagieren. In seiner Blütezeit zwischen 1640 und 1680 hatte der Palmenorden schon über 500 Mitglieder.

Die Fruchtbringende Gesellschaft wurde auch Palmenorden genannt, da ihr Emblem die Kokospalme war. Der Palmenbaum galt in der früheren Neuzeit als nützlicher und in all seinen Teilen sinnvoll verwend- und verwertbarer Baum. „Alles zu Nutzen“ hält als Leitwort die universale Gesellschaftsethik der Fruchtbringer fest.

Die Fruchtbringende Gesellschaft wuchs schnell, obwohl allein ihr Oberhaupt neue Mitglieder aufnehmen konnte. Wenige Jahre nach seinem Tod begann auch bereits der Niedergang durch die Entwicklung der Gesellschaft zu einem rein höfischen Ritter-Orden. Die Fruchtbringende Gesellschaft starb aus.

Im Jahr 2007 wurde die Fruchtbringende Gesellschaft als Neue Fruchtbringende Gesellschaft in Köthen wiedergegründet.

[bearbeiten] Leistungen

Die Leistungen der Fruchtbringer sind jedoch wesentlich größer, als heute gemeinhin bekannt ist. Dazu gehörten Sprachlehre, Wörterbuchmacherei, Dichtung, Sprach- und Literaturkritik, Übersetzungen oder Geschichtsschreibung. Dafür seien an dieser Stelle nur einige herausragende Beispiele erwähnt: Die berühmten Barockdichter Andreas Gryphius und Martin Opitz waren Mitglieder der Fruchtbringenden Gesellschaft. Kaspar von Stieler (1632 bis 1707) verfaßte 1691 ein umfangreiches Wörterbuch der deutschen Sprache, in enger Abstimmung mit anderen Mitgliedern. Christian Gueintz (1592 bis 1650) schrieb im Auftrag des Fürsten Ludwig 1641 eine deutsche Sprachlehre und 1645 – mehr als 200 Jahre vor Konrad Duden – „Die deutsche Rechtschreibung“; ein Werk, das als Gemeinschaftsarbeit der Gesellschaft gilt. Fürst Ludwig war es auch, der die Lehrmethode des Pädagogen Wolfgang Ratke (1571 bis 1635) nach Köthen holte. Ratke wies der muttersprachlichen Bildung eine besonders hohe Bedeutung zu. Ludwig begann einen großen Schulversuch und betrieb für die Lehrbücher eine eigene Druckerei mit Buchhandel. So entstand in Köthen der erste deutsche Schulbuchverlag.

[bearbeiten] Querverweis

[bearbeiten] Netzverweise

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