Deutscher Sprachrat

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Deutscher Sprachrat GbR
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Sitz derzeit Berlin
Land Bayern, Deutschland
Gründungsjahr 2003
Vorsitzender derzeit Rudolf Hoberg
Jahresbeitrag o. A.
Anschrift c/o Gesellschaft für deutsche Sprache im Deutschen Bundestag, Platz der Republik 1 - MELH, 11011 Berlin
Telefon +49-(0)30-227-33066, -33063
Telefax
E-Post sekretariat@deutscher-sprachrat.de
Netzverweis www.deutscher-sprachrat.de


Der Deutsche Sprachrat ist ein Sprachbündnis, das am 28. Mai 2003 als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet wurde. Neben dem Goethe-Institut gehören der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), das Institut für deutsche Sprache (IDS) und die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) dem Sprachrat an. Der Duden und der Hueber-Verlag unterstützen den Rat.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Vorgeschichte des Sprachrates

[bearbeiten] Debatte um Sprachschutzgesetz

Die Debatte über ein Sprachschutzgesetz, die der Berliner Innensenator Eckart Werthebach Anfang 2001 angestoßen hatte, löste erste Überlegungen zu einem Deutschen Sprachrat aus. Am 31. Dezember 2000 hatte Werthebach in einem Beitrag für die Berliner Morgenpost vorgeschlagen, ein deutsches Sprachschutzgesetz zu schaffen.[1] Von einer Instanz, etwa einem Sprachrat, der mit Gesetz geschaffen werden oder der ein Gesetz ausarbeiten oder überwachen sollte, war jedoch noch nicht die Rede. Am heftigsten kritisierte das Mannheimer Institut für deutsche Sprache Werthebachs Vorschlag.

[bearbeiten] Der Gizewski-Entwurf

Im Zuge der Sprachgesetzdebatte veröffentlichte am 22. Februar 2001 der Jurist und Althistoriker Christian Gizewski im Forum des Berliner Innensenates den Entwurf einer Bund-Länder-Vereinbarung „über die allgemeine Amts- und Verkehrssprache Deutsch in der Bundesrepublik Deutschland“. Gizewskis Entwurf wurde unmittelbar darauf von der Deutschen Sprachwelt bekanntgemacht. Er enthielt auch den Vorschlag, einen Deutschen Sprachrat einzurichten.[2]

[bearbeiten] Das Stickel-Memorandum

Nur wenig später, im April 2001, veröffentlichte der IDS-Direktor Gerhard Stickel ein Memorandum mit dem Titel „Politik für die deutsche Sprache“. Darin hieß es: „Um den administrativ und institutionell verstreuten Interessen und Zuständigkeiten für die deutsche Sprache ein Forum zu geben und auch Vertreter der Medien und der Wirtschaft an der sprachpolitischen Meinungsbildung zu beteiligen, sollte ein ständiger Rat für die deutsche Sprache (vielleicht als "Deutscher Sprachrat") gebildet werden. Dieser Sprachrat sollte nicht in Konkurrenz, sondern in enger Verbindung mit schon bestehenden zentralen Einrichtungen für die Erforschung und Pflege der deutsche Sprache (IDS, GfdS) wie auch mit wissenschaftlichen Fachverbänden und Mittlerorganisationen eingerichtet werden. Organisatorische und praktische Anregungen für eine solche Einrichtung sollten weniger bei den traditionellen Sprachakademien etwa in Frankreich oder Spanien als bei den staatlich beauftragten Sprachinstitutionen in Skandinavien und den Niederlanden gesucht werden.“[3] Ein Brief Stickels an den Berliner Innensenator Werthebach vom 29. Januar 2001 war zuvor unbeantwortet geblieben. Darin hatte Stickel ausgeführt: „Wenn nun nach Ihrem Vorschlag eine weitere Institution eingerichtet würde mit der Hauptaufgabe, fremdsprachliche Ausdrücke (nicht Begriffe) zu verdeutschen, würde dies die institutionelle Sprachforschungs- und Sprachpflegelandschaft nur noch komplizierter und unübersichtlicher machen, als sie schon ist. Zweckmäßiger und ökonomischer wäre es deshalb, das Aufgabenspektrum bestehender Institutionen zu erweitern.“[4]

[bearbeiten] Die sprachpolitischen Sprachwelt-Forderungen

Die Deutsche Sprachwelt nahm Gizewskis Anregung zur Gründung eines Sprachrats in ihre Zehn sprachpolitischen Forderungen auf, die auf einem Vortrag vor dem Pegnesischen Blumenorden am 4. Juni 2003 erstmals öffentlich vorgestellt wurden.

[bearbeiten] Die Ratsgründung

Etwa zur gleichen Zeit gründeten Goethe-Institut, GfdS und IDS den Deutschen Sprachrat. Die Deutsche Sprachwelt kündigte noch am Gründungstag (28. Mai 2003) an, die Arbeit des Deutschen Sprachrates begleiten zu wollen.[5]

[bearbeiten] Sprachrat und Rechtschreibreform

Mit dem Rat für deutsche Rechtschreibung hat der Deutsche Sprachrat nichts zu tun, obwohl mit der GfdS, dem Duden und dem IDS Mitglieder des Sprachrates auch im Rechtschreibrat vertreten sind. Der Reformkritiker Theodor Ickler wirft dem Sprachrat vor, „zur Ablenkung von der Rechtschreibreform gegründet“ worden zu sein.[6]

[bearbeiten] Vorsitz

Am 10. September 2007 hat Rudolf Hoberg, der Vorsitzende der GfdS, für zwei Jahre den Vorsitz im Sprachrat übernommen. Seit 2003 hatte dieses Amt Jutta Limbach, die Präsidentin des Goethe-Instituts, innegehabt.

[bearbeiten] Ziele

Der Deutsche Sprachrat will durch Sensibilisierung des Sprachbewußtseins die Sprachkultur im Inland sowie die Stellung der deutschen Sprache im Ausland fördern. Dies will er sowohl durch Sprachkultivierung mit Hilfe von Aufklärung über Sprache als auch mit vermehrter Diskussion über sprachliche Themen erreichen.

Als zentrale Aufgabenfelder des Rates nennt das IDS:[7]

  1. Information, Aufklärung, Dokumentation und Diskussion
  2. Zusammenarbeit mit Institutionen im In- und Ausland
  3. Deutsch in der Schulbildung
  4. Erst- und Zweitsprachenkompetenz
  5. Deutsch in der internationalen wissenschaftlichen Kommunikation
  6. Deutsch als Fremdsprache
  7. Politikberatung

[bearbeiten] Kritik

Kritiker werfen dem Deutschen Sprachrat vor, untätig geblieben zu sein und sich lediglich auf Wettbewerbe zur Suche von Wörtern beschränkt zu haben.

[bearbeiten] Tätigkeit

Der Deutsche Sprachrat veranstaltet bisher lediglich Wettbewerbe, zum Beispiel die Suche nach dem schönsten deutschen Wort (2004) oder nach deutschen Fremdwörtern (2006) in anderen Sprachen. Im Jahr 2007 rief der Rat zur Suche nach dem schönsten Fremdwort („Wort mit Migrationshintergrund“) auf. Die preisgekrönten Wörter lauten „Habseligkeiten“, „Kaffepaussi“ und „Tolpatsch“ (in der reformierten Fehlschreibung mit Doppel-l).

[bearbeiten] Literatur

  • Thomas Paulwitz: Nichts als heiße Luft. Fünf Jahre Deutscher Sprachrat - eine dürftige Bilanz, in: Deutsche Sprachwelt 31, 1/2008, Seite 3.

[bearbeiten] Nachweise

  1. Eckart Werthebach: Die deutsche Sprache braucht gesetzlichen Schutz, Berliner Morgenpost, 31. Dezember 2000, Seite 6.
  2. Christian Gizewski: Entwurf einer Bund-Länder-Vereinbarung „über die allgemeine Amts- und Verkehrssprache Deutsch in der Bundesrepublik Deutschland“, Deutsche Sprachwelt, 2001
  3. Gerhard Stickel: Memorandum: Politik für die deutsche Sprache, 3. April 2001
  4. Gerhard Stickel: Sprachschutzgesetz - Entwicklung der deutschen Sprache, Brief des Direktors des IDS, Prof. Dr. Gerhard Stickel, an den Berliner Innensenator Dr. Eckhart Werthebach vom 29. Januar 2001
  5. Deutsche Sprachwelt:Gründung des Deutschen Sprachrates, Aussendung am 28. Mai 2003
  6. Theodor Ickler:Deutscher Sprachrat, Mein Rechtschreibtagebuch, 11. September 2005.
  7. Institut für deutsche Sprache: Was will der Deutsche Sprachrat?, Presseerklärung, 28. Juli 2003.

[bearbeiten] Netzverweise

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